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Workshop mit S. Ramnitz_Gruppenarbeit

Rechte Sprache gut kontern

Workshop mit Sebastian Ramnitz, ContRa e. V.

Wie kann man sich vor verbalen rassistischen Angriffen schützen und welche Strategien gibt es, um neurechte Begriffe zu entlarven?

  Anja Lutz | 08.11.2022

Sebastian Ramnitz_beim Workshop
Sebastian Ramnitz beim Workshop
Sebastian Ramnitz_beim Workshop
Sebastian Ramnitz beim Workshop

Sebastian Ramnitz ist Referent für Rechtsextremismusprävention und Demokratieförderung, sowie Supervisor und Coach. Der gelernte Erzieher ist Gründer des 2006 gegründeten ContRa e. V.. Er berät seit über zehn Jahren in Kontexten von Demokratie und Rechtsextremismus und führt zudem Projekte zur Stärkung von demokratischen Werten durch.

Ende Oktober 2022 hatte der ADV Nord e.V. in Kooperation mit dem Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. den Dozenten in den Pavillon Hannover eingeladen.

In einem Workshop wollten die Teilnehmer*innen gemeinsam erarbeiten, wie man im privaten und beruflichen Umfeld gut und auf Augenhöhe mit Situationen umgehen kann, in denen es verbale Angriffe von rechter Seite gibt. Der Workshop konzentrierte sich auf verbale Angriffe, denn „Sprache ist das, womit die Menschen am ehesten konfrontiert sind“, so der Dozent.

Zunächst ging Ramnitz darauf ein, was Rechtsextremisten und deren Weltbild ausmacht. Dabei orientierte er sich an Wilhelm Heitmeyers Annäherung an den Begriff „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. Die wichtigsten Erkenntnisse daraus sind, das rechtextreme Gruppen meist ein geschlossenes Weltbild haben und dass Rechtsextremismus die Freiheit und die Gleichwertigkeit aller Menschen grundsätzlich ablehnt.

Es gab drei Arbeitsgruppen. In der ersten Phase des Workshops sollten die Teilnehmer*innen Situationen schildern, in denen sie mit rassistischen Angriffen konfrontiert waren. Dann wurden drei „Fälle“ ausgewählt und jede Gruppe sollte ihre Situation kurz und knapp aufschreiben. Danach wurden die „Fälle“ innerhalb der Gruppen getauscht und die Gruppenmitglieder sollten gemeinsam überlegen, wie sich die Person in der Situation besser hätte verhalten können, um gut für sich (bzw. für die übrigen Beteiligten) zu sorgen. Im Anschluss wurden die Ergebnisse präsentiert und in der großen Runde diskutiert.


Drei Situationen wurden geschildert. Eine bezog sich auf eine familiäre Situation, die zweite auf ein Ehrenamt, die dritte kam aus dem Berufsleben.

Ehrenamt in der Kleiderkammer

Eine Ehrenamtliche beobachtete, dass als „Deutsche“ gelesene Menschen gesiezt und zuvorkommend behandelt wurden. Als „Nicht-Deutsche“ gelesene Menschen hingegen wurden häufig sofort geduzt, ungeduldig und „gönnerhaft“ behandelt. Die Ehrenamtliche befand sich selbst in prekärer Lebenslage und mochte sich damals nicht mit den Kolleginnen aus der Kleiderkammer auseinandersetzen, also mied sie den Konflikt.

Lösungsansätze für die Ehrenamtliche

  • Nicht konfrontativ zu den Kolleg*innen, subtil Einfluss nehmen, Nachfragen stellen
  • Allgemein nachfragen: manchmal wird gesiezt, manchmal geduzt, gibt es dafür Standards?
  • Andere Ehrenamtliche sind auch unsicher, wir möchten die beste Lösung für alle finden
  • X ist mir aufgefallen, gibt es dafür Gründe?
  • Wie können wir das hinkriegen, dass wir die Leute gleichbehandeln?
  • Gibt es ein Leitbild der Organisation? Ich will den Standards der Organisation entsprechen

Familienangehörige beschweren sich über die Nachbarn

  • „Die Türken oben sind so laut!“, „Die Polen waren mal wieder klauen!“ Wie geht man mit solchen Äußerungen um?

Lösungsansätze für die Familiensituation

  • Besser nicht emotional reingehen, weil dann die Situation nicht kontrolliert werden kann („Da weiß ich gerade nicht, ob ich das gut finde!“ / „Ich schätze Dich für XY, aber da sprichst Du seltsam.“)
  • Nachfragen: Meint Ihr wirklich, dass die Nationalität wichtig ist? Warum sagt Ihr nicht „Familie XY“?
  • Positive Beispiele nennen: Ich kenne S., der ist auch Türke und sehr leise
  • Gemeinsam Film/Dokumentation anschauen, um zu sensibilisieren
  • Vorschlagen, die Nachbarn mal einzuladen – persönliche Bekanntschaft wirkt Verallgemeinerung entgegen
  • Zu multikulturellen Veranstaltungen einladen oder mitnehmen
  • Klar sagen, dass die Äußerungen unangemessen waren

Pflegedienstleitung – Situation im Job

Ein Angehöriger will medizinisches Problem mit der Pflegedienstleitung (PDL) besprechen und trifft im Büro auf eine Schwarze Person. Der Angehörige geht weg, um eine andere Ansprechperson zu finden. Eine Weiße, „deutsche“ Kollegin schickt ihn zurück: „Das ist der PDL!“ „Wer, der N…?“

Lösungsansätze aus Sicht der PDL

  • weiterhin sachlicher und professioneller Umgang mit dem Angehörigen
  • direkt ansprechen / nachfragen
  • mit Humor reagieren

Lösungsansätze aus Sicht der Kollegin

  • Hinweis auf höfliche Umgangsformen
  • weiterhin an PDL verweisen

In der Diskussion wies der Dozent ausdrücklich auch auf die Verantwortung des Arbeitgebers für die Angestellten hin.

  • Mitarbeiter*innen müssen geschützt werden!
  • Arbeitgeber, Betriebsrat, Personalrat, müssen sich damit auseinandersetzen!
  • Was muss der Arbeitgeber tun, um sich zu positionieren?
  • Wer ist für uns in unserer Position zuständig?
  • Sichtbarkeit herstellen: das sind unsere Werte, damit müssen Sie sich identifizieren!

Generelle Lösungsansätze

  • Kolonialismus sollte in Schulen und Hochschulen auf dem Lehrplan stehen
  • Erreichbaren Leuten die Möglichkeit zur Reflexion bieten, einen Perspektivwechsel ermöglichen
  • Warum ist Dir dieser Begriff so wichtig, warum willst Du das behalten?

Fotos: Anja Lutz

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